Michael Scharsig
Fachkraft Studie

Traumberuf Banker? Das war einmal, sagen – aktuell – die Studenten

Michael Scharsig
Michael Scharsig
veröffentlicht am 9.9.2015

Die Banken haben schon bessere Zeiten gesehen. Aus der einstigen Vorzeigebranche ist seit der Krise so etwas wie ein misstrauisch beäugter Unbekannter geworden. Doch wie stehen eigentlich Studenten zu der Branche? Beruflich noch immer höchst interessant? Oder eher nicht? 20.000 Absolventen in spe haben nun abgestimmt, und Platz 14 im Branchenranking der Studie „Fachkraft 2020“ klingt zunächst mager – aber es gibt auch Hoffnung.

Wer als Student eine Karriere im Bankensektor anstrebt, verspricht sich nach wie vor einiges davon. Ein überdurchschnittliches Einstiegsgehalt ist dabei nur eines von mehreren Argumenten, die vordergründig für die Branche sprächen. Dennoch zieht es derzeit lediglich 2,9 Prozent aller angehenden Hochschulabsolventen in den Bankenbereich – Platz 14 im Branchenranking der Studienreihe „Fachkraft 2020“. Zum Vergleich: Ganz oben wollen in der Medien-und Verlagsbranche über 17 Prozent der Studierenden ihr berufliches Glück suchen. Schaut man hingegen ans untere Ende, sind die Schlusslichter Versicherungswesen (1,0 %) und Telekommunikationsbranche (0,7 %) bedenklich nah am Bankensektor, zumindest prozentual gesehen.

Die Studienreihe „Fachkraft 2020“ untersucht zusammen mit dem Department of Labour Economics der Maastricht University seit 2012 im Rahmen von jährlich zwei bundesweiten Erhebungen die allgemeine und wirtschaftliche Lebenssituation der Studierenden in Deutschland. An der Märzerhebung 2015 nahmen über 20.000 Studierende teil. Hieraus stammen die vorliegenden Ergebnisse.

Die Top-5-Arbeitgeber im Bankwesen

Auf Platz eins der Top-Arbeitgeber der Branche rangiert mit deutlichem Abstand die Deutsche Bank. 28,1 Prozent der Studierenden mit dem Branchenziel Bankenwesen würden hier gerne nach dem Abschluss arbeiten – etwa doppelt so viele wie für die zweitplatzierte Commerzbank (14,2 %). Auf Rang drei liegt die US-amerikanische Bank Goldman Sachs mit immerhin 8,5 Prozent, gefolgt von der Bank of America (4,6 %) sowie JPMorgan Chase (4,3 %). Insgesamt fällt auf: Am Standort Frankfurt/Main führt im Bankwesen so gut wie kein Weg vorbei. Verständlich.

Tabelle: Beliebteste Arbeitgeber im Bankwesen

Beliebteste Arbeitgeber im Bankenwesen

Berufseinsteiger im Branchenvergleich: gut ausgebildet und optimistisch

Erwartungsgemäß zieht es vor allem Studierende der Wirtschaftswissenschaften, der Rechtswissenschaften sowie Mathematiker ins Bankenwesen. Aber: Lediglich 6 Prozent der zukünftigen Bewerberinnen und Bewerber wollen bereits nach dem Bachelor-Abschluss vorstellig werden (geringer ist der Anteil in keiner anderen Branche). Die Mehrheit plant demnach längere akademische Ausbildungszeiten ein. Und eingeplant ist natürlich auch, dass sich die Mühen letztlich lohnen sollen, was das zum Berufseinstieg erwünschte Durchschnittsgehalt von 46.328 Euro brutto pro Jahr verdeutlicht (Platz 2 im Ranking).

Zugleich ist die Sorge, nach dem Abschluss nicht gleich eine Stelle zu finden, im Bankwesen besonders gering. Außerdem rechnen Studierende hier mit einer hohen beruflichen Zufriedenheit im zukünftigen Job. Kein schlechtes Gesamtbild also – zumindest bei denjenigen, die es wirklich in die Branche zieht.

Die Top-Arbeitgeber im Detail

Beim Top-Arbeitgeber der Branche, der Deutschen Bank, wollen sich sogar nur vier Prozent der Studierenden bereits mit einem Bachelor-Abschluss bewerben. Interessanterweise fällt hier der Gehaltswunsch trotz der langen anvisierten Ausbildungszeit moderat aus. So liegt die Deutsche Bank in dieser Frage bei 42.900 Euro – und somit deutlich unterhalb des Branchenschnitts. Bei der Commerzbank beläuft sich die mittlere Gehaltserwartung sogar auf „nur“ 41.730 Euro. Hier wollen sich jedoch 14 Prozent mit ihrem Bachelor-Zeugnis bewerben, was die niedrigeren monetären Ansprüche durchaus erklären kann.

Ganz deutlich hebt sich Goldman Sachs vom Durchschnitt ab. Mit einer Bachelor-Quote nahe null interessieren sich für das US-amerikanische Unternehmen fast ausschließlich top ausgebildete Studierende, die zudem bereit sind, überdurchschnittliche Leistungen zu erbringen. So werden durchschnittliche Wochenarbeitszeiten von 51 Stunden bei Goldman Sachs als akzeptabel angesehen (Deutsche Bank: 43 h; Commerzbank: 41 h), was im Gegenzug jedoch eine satte Gehaltserwartung von 58.000 Euro nach sich zieht.

Schnellcheck Bankenbranche

In der Analyse der Persönlichkeitsmerkmale zeigen sich bei Studierenden mit dem Branchenziel Bankenwesen im Großen und Ganzen durchschnittliche Ergebnisse in den Bereichen Gewissenhaftigkeit, Extraversion sowie Offenheit. Besonders hohe Werte ergeben sich hinsichtlich der emotionalen Stabilität. Nur im Bereich Maschinen- und Anlagenbau wird diesbezüglich eine stärkere Ausprägung erreicht. Interessant: Das Merkmal Verträglichkeit ist hingegen deutlich unterdurchschnittlich ausgeprägt. Demnach scheint das Bankgeschäft nichts für ausgewiesene Teamplayer zu sein.

Persönlichkeitsmerkmale potenzieller Bewerber im Bereich Banken

Fazit von jobvalley:

Das Durchhalten könnte sich lohnen. Nach einer langen akademischen Ausbildung versprechen sich viele Aspiranten von der Bankenbranche einen schnellen Berufseinstieg, gutes Gehalt und eine hohe Zufriedenheit im Job. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Andererseits scheint es, als habe die Branche nach der Finanzkrise mit erheblichen Imageproblemen zu kämpfen. Gut, es fehlen die Vergleichswerte von vor der Krise, aber mit einem studentischen Zuspruch von anteilig unter 3 Prozent und (damit) Platz 14 im Branchenranking kann man in den Vorstandsetagen der Bankhäuser perspektivisch nicht zufrieden sein. Es muss etwas getan werden!

Michael Scharsig
Über den Autor

Michael Scharsig

Mein Name ist Michael, ich habe früher für jobvalley gearbeitet und Artikel für das Jobmensa Magazin verfasst. 2013 habe ich mein JPR-Studium (Journalismus/Public Relations) abgeschlossen. Parallel dazu war ich rund zwei Jahre als Online-Fußballredakteur in NRW unterwegs und bin anschließend für drei Monate nach London gegangen. Dort lernte ich dann Marketing und Instagram näher kennen. In meiner letzten Station hatte ich als PR-Volontär mit Social Media und Blogger Relations zu tun. Privat bin ich außerdem Filmblogger und habe 2014 eine Rock-am-Ring-Facebook-Seite betreut, die sich dafür einsetzte, dass Festival in meine Heimat zu holen. Hat nicht geklappt, aber Spaß hat's gemacht.