Julia Menke
Fachkraft Studie

Erwartungen an den Arbeitsalltag der nächsten Generation

Julia Menke
Julia Menke
veröffentlicht am 31.10.2021

Wie karrierebewusst ist die „Generation Z”?

Generation bezeichnet im soziokulturellen Verständnis eine große Gruppe von Personen, die als Altersgruppe in ihrer Gesellschaft oder aufgrund der gemeinsamen Prägung durch eine spezifische historische oder kulturelle Konstellation eine zeitbezogene Ähnlichkeit aufweisen.

Seit die Zahlen zur Bundestagswahl vorliegen und sich unter den Erstwähler*innen ein deutlich abweichendes Wahlverhalten zeigt, wird verstärkt über die Generation Z, also Personen der Geburtskohorte zwischen 1997 und 2010, diskutiert. Zusammen mit der Universität Maastricht haben wir dies zum Anlass genommen, um ein Stimmungsbild unter Deutschlands Studierenden zum Thema „Karriere-Erwartungen” einzuholen. Diese Sonderauswertung stammt aus der 18. Runde der Fachkraft 2030 Reihe. Befragt wurden rund 12.000 Studierende deutschlandweit im März und April 2021. Alter der Befragten: 17 | 0.60%, 18 | 1.15%, 19 | 2.35%, 20 | 4.99%, 21 | 7.27%, 22 | 9.96%, 23 | 10.83%, 24 | 11.22%, 25 | 11.41%, 26 | 10.03%, 27 | 8.35%, 28 | 7.49%, 29 | 5.67%, 30 | 4.49%, Älter als 30 | 4.00%

Eine ganze Generation in eine Schublade stecken?

Die Vorstellung von Generationen hat sich, ähnlich wie die der Ethnizität oder Geschlecht, respektive Gender, durch kulturelle Deutungsmuster etabliert, um Identitäten und Unterschiede von Menschen zu beschreiben. Laut diverser Kulturwissenschaften gehört jedoch nicht jeder Mensch automatisch einer Generation an, sondern wird dieser durch kommunikative Prozesse zugeordnet. 
Nach der Sozialisationstheorie von Klaus Hurrelmann findet in der Jugendphase des Lebens nicht nur eine intensive Auseinandersetzung mit Körper und Psyche, sondern vor allem auch mit der sozialen Umwelt und der physischen Umgebung statt. So finden demnach Gen-Z-Angehörige deutlich andere wirtschaftliche, politische und kulturelle Bedingungen vor als ihrer Vorgängergeneration. Als Digital Natives 2.0 haben sie bspw. durch die Konfrontation digitaler Medien bereits in der frühen Kindheit einen intuitiven Vorteil gegenüber der Gen-Y.

Ciao Generation Praktikum – hallo Generation Selbstbewusst

In Industrieländern mit niedriger Geburtenrate und florierender Wirtschaft profitieren Angehörige der Generation Z darüber hinaus vom Fachkräftemangel, welcher aufgrund der nicht nachrückenden Schulabgänger*innen entstand. Hurrelmann zufolge haben sich „[d]er Ausbildungs- und der Arbeitsmarkt […] deutlich verändert“, sodass Arbeitssuchende frei wählen können und nicht mehr wie Bittsteller auftreten müssen. Mehr und mehr sind es die Firmen, die um ihre Gunst als künftige Mitarbeiter*innen werben müssen.

jobvalley karriereerwartungen-2

Was ich persönlich feststelle: Die nächste Generation geht mit mehr Selbstbewusstsein an das Thema Beruf und Karriere. Das bestätigen auch unsere Zahlen. In unserer Befragung 2013 waren es fast 10 Prozentpunkte weniger, die so optimistisch auf ihre Jobchancen blickten. Die Erzählung der `Generation Praktikum´ ist eindeutig überwunden. Die jungen Leute wissen: In den nächsten Jahren werden enorm viele Arbeitskräfte aus dem Arbeitsleben ausscheiden, und es kommen zu wenige nach. Bis zum Ende des Jahrzehnts werden wir acht Millionen Menschen haben, die aufgrund des demografischen Wandels aus dem Erwerbsleben ausscheiden – immerhin 18 Prozent der Berufstätigen. Dementsprechend verschiebt sich das Machtverhältnis. Gut qualifizierte, junge Menschen können sich ihren Arbeitgeber aussuchen, früh Verantwortung übernehmen und auf der Karriereleiter schneller große Sprünge machen –  und viele von ihnen wollen genau das.
– Eckhard Köhn, CEO jobvalley

Hinsichtlich der Jobchancen kurz- und langfristig nach dem Studium betrachtet sind die Erwartungen bei den weiblichen und männlichen Studierenden gleichauf. Lediglich beim Erreichen einer Führungsposition sind Student*innen zurückhaltender und das vermutlich historisch bedingt. Das konventionelle Rollenbild der Frau zeichnet weiterhin den Job als Hausfrau und Mutter vor, berufliche Karriere hingegen wird weiterhin dem Mann zugeschrieben. Frauen sind in Führungspositionen und im Top-Management, sprich Vorstand und Aufsichtsräte der deutschen Wirtschaft, weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Am 25. Juni 2021 stimmte der Bundesrat dem zweiten Führungspositionengesetz zu. Frauen müssen daher bei der Besetzung von Managementpositionen in großen Unternehmen stärker berücksichtigt werden (gilt für börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten, deren Vorstand aus mehr als 3 Mitgliedern besteht). 

jobvalley gehaltserwartung

Verdienstunterschiede zwischen Frau und Mann sind nach wie vor präsent. Auch wenn sich der Gender Pay Gap seit 2016 leicht verringert, verdienten Frauen 2020 durchschnittlich 18 % weniger je Stunde als Männer. Die Unterschiede fielen in West­deutsch­land (und Berlin) mit 20 % deutlich höher aus als im Osten (6 %).

Bei der Frage nach dem Gehalt zeigt sich vor allem eines: Männliche Studierende gehen deutlich selbstbewusster an das Thema heran. Ihre Gehaltserwartungen übersteigen die ihrer Kommilitoninnen im Laufe des zukünftigen Berufslebens um bis zu 20 %. Wir sprechen hier von bereinigten Werten. Ein Student beispielsweise im Fach Maschinenbau, der später als Ingenieur in der Automobilbranche tätig werden will, malt sich also deutlich mehr Gehalt aus, als eine Studentin aus demselben Studienfach und derselben Zielbranche. Das kann an einer etwaigen Selbstüberschätzung der Studenten liegen oder an einer zu pessimistischen oder realistischen Erwartung der Studentinnen. Ich würde jeder Studentin empfehlen, hier gleichzuziehen – erkennt euren Wert! In einer fortgeschrittenen Verhandlung später mehr zu verlangen ist deutlich schwieriger, als ein Angebot anzunehmen, dass unter der eigenen, aber bewusst etwas zu hohen, Forderung lag.
– Eckhard Köhn, CEO jobvalley

Angst vor Diskriminierungen auf dem Arbeitsmarkt

Neben dem Geschlecht, scheint auch die sexuelle Orientierung und die ethnische Herkunft negative Einflüsse auf berufliche Chancen zu haben, so zumindest die Einschätzung der befragten Studierenden.

jobvalley negativ faktoren einfluss berufliche chancen

Noch nie wurde (notwendigerweise) so viel über Gleichberechtigung im Beruf und anderen Aspekten des Lebens diskutiert. Es hat sich schon einiges getan, aber bei weitem noch nicht genug. Es gibt noch immer große Ängste unter den jungen Menschen allein aufgrund ihres Geschlechts, ihres ethnischen Hintergrunds oder ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt zu werden. Diese Ängste müssen wir ernst nehmen, aktiv Hürden abbauen und jegliche Form der Diskriminierung bekämpfen.
– Eckhard Köhn, CEO jobvalley

Fazit

Generation Z, Gen-Z, Post Millenials, Digital Natives 2.0 etc. pp – wie sie auch genannt werden, viel wichtiger ist doch, was sie zu sagen haben. Denn letztlich kann die Kategorisierung einer Personengruppe, in dem Fall einer Generation, hilfreich sein, um zu verstehen, was sie bewegt – und Wege zu finden, wie nicht nur die Politik, sondern auch das gesellschaftliche Umfeld und somit auch der Arbeitsmarkt proaktiv auf sie reagieren können.

Julia Menke
Über den Autor

Julia Menke

Meine Leidenschaft sind Bücher, weshalb ich auch den Studiengang Literatur, Kultur und Medien an der Universität zu Siegen wählte. Nach meinem anschließenden Volontariat im PR- und Marketingbereich und einigen Jahren in einer Marketingagentur, bin ich hier nun schon seit längerem als PR & Content Marketing Manager tätig.